Das Krankenhaus von Illingen

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Historischer Verein Illingen Saar e.V.

Situation vor Einrichtung der Krankenstation in der Gennweilerstraße

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Die erste organisierte Krankenversorgung in Illingen war die Einrichtung des Schwesternhauses in der Gennweilerstraße. Vorher lag die Versorgung der Menschen in verschiedenen Händen. Erst im Mittelalter entwickelte sich die medizinische Versorgung langsam. Wer ernsthaft erkrankte, war auf die Unterbringung in Spitälern angewiesen, in denen neben Pilgern und Obdachlosen auch Alte, Arme, Invaliden und Erkrankte anzutreffen waren. Hier hatten die Geistlichen das Sagen, die einen wesentlich größeren Einfluss als die Ärzte hatten.

Die Versorgung von Kranken, die nicht in die Spitäler gingen, übernahmen für „Normalbürger“ Bader bzw. Barbiere. Diese erlernten in einer Ausbildung neben dem Haareschneiden auch medizinische Arbeiten. Aus dieser Gruppe entwickelten sich die Wundärzte und Chirurgen, die keine akademische Ausbildung hatten. Weitere medizinische Gewerke waren die der Hebammen und Apotheker.

Am 15. Juni 1883 führte der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck im Deutschen Reich das „Gesetz betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter“, die erste Pflicht-Krankenversicherung der Welt, ein und revolutionierte so das Gesundheitssystem nachhaltig. Dieses Gesetz legte den Grundstein für die moderne Krankenversicherung, wie wir sie heute kennen. Dies war ein Meilenstein in der deutschen Geschichte, da es das erste Mal war, dass der Staat eine umfassende soziale Absicherung für seine Bürger bereitstellte.

Im Pfarrbuch von Illingen ist zu lesen:

Das Bedürfnis, Ordensschwestern in der Pfarrei zu haben, um eine zweckmäßige Krankenpflege zu erreichen, war schon lange in der Pfarrei vorhanden. Im Jahre 1889 kaufte der Kirchenvorstand das Wohnhaus des im Januar verstorbenen Rentmeisters Heinrich Alff in Illingen, weil dieses Haus geeignet zu sein schien zur Aufnahme von Ordensschwestern. Das Haus war zu Anfang der 1860er Jahre von Heinrich Alff gebaut worden. Es wurde zum Preis von 24.000 Mark angekauft.

Der Kirchenvorstand beschloss, keine Umlagen zu erheben, sondern die Kaufsumme in jährlichen Raten bis zur gänzlichen Tilgung abzutragen. Für die Ausstattung des Hauses erfolgten reichlich Beiträge aus der Pfarrei an Geld, Mobiliar, Leinen etc., sodass bis Ende November das Haus für die Aufnahme der Schwestern bereitstand.

Am 28. November 1889 zogen vier Schwestern mit einer Oberin ein. Diese hatten die Qualifikation, selbständig ambulante Krankenpflege bei Tag und Nacht ausüben zu dürfen. Um den Unterhalt der Schwestern zu erleichtern, wurde beschlossen, eine Nähschule und eine Bewahrschule zu errichten.

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Zeitschiene

1889Das Schwesternhaus in der Gennweilerstraße wird durch den Kirchenvorstand St. Stephan von dem im gleichen Jahr verstorbenen königlichen Rentmeister Alff erworben.
1889 – 1913Ambulante Krankenstation, Nähschule und Bewahrschule
1912Tuberkulose-Fürsorge
1914-1915Lazarett für 30 Verwundete
1917Kriegsküche unter Leitung der Schwestern
1918Säuglings-Fürsorge
1921Nach Umzug der Schwestern in ihre Klausurräume im Krankenhaus Verkauf an den Meistbietenden Lehrer Blatt mit der Auflage, dass Bewahrschule und Nähschule dort weitergeführt werden.
HeuteRechtsanwaltskanzlei Schlaucher.

Krankheitsfälle und Anzahl der Kranken, die von den Schwestern im Jahre 1903 außerhalb des Hauses gepflegt wurden:

Altersschwäche12
Lungenentzündung5
Typhus5
Schwindsucht12
Gehirnentzündung3
Herzleiden4
Rippenfellentzündung2
Wassersucht2
Unterleibsleiden12
Leberleiden2
Rheumatismus2
Nervenleiden2
Diphtherie2

Praktizierende Ärzte in Illingen zur damaligen Zeit:

  • Dr. Forstheim
  • Dr. Eduard Friese
  • Dr. Jakob Spaniol
  • Dr. Büsch
  • Dr. Nikolaus Lang

Erste Apotheke in Illingen

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Am 28. September 1860 wurde die erste Apotheke in Illingen eingerichtet. Nach mehrmaligen erfolglosen Versuchen erhielt der Apotheker Jakob Cronenberg zu Heinsberg die Konzession. Am 16. Januar 1861 richtete er im Haus Nr. 4 der Hauptstraße die erste Illinger Apotheke ein. Er verpflichtete sich, dieselbe in ein ihm eigentümlich zugehöriges Haus zu verlegen. Dies ist im November 1861 vollzogen. Die Apotheke steht der früheren schräg gegenüber und führt bis zum heutigen Tag den Namen „Schwanen Apotheke“.

Die Geschichte des Illinger Krankenhauses

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Die Geschichte des Illinger Krankenhauses begann, wie vorstehend bereits ausgeführt, mit einer Schwesternstation in der Gennweilerstraße, die auf Initiative des Kirchenvorstandes der Pfarrgemeinde Illingen ins Leben gerufen wurde. Die Einrichtung wurde von den Bürgern begeistert aufgenommen, was sich sowohl in der hohen Inanspruchnahme als auch in der großzügigen Spendenbereitschaft zeigte.

Diese positive Resonanz ermutigte den Kirchenvorstand im Jahr 1901, den Bau eines Krankenhauses mit angeschlossenem Kloster in Angriff zu nehmen. Um die erforderlichen Mittel zu sichern, gründete die Pfarrgemeinde im selben Jahr den St. Elisabethen-Verein.

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Bereits 1902 erwarb die Gemeinde 119 Ruten (1666 Quadratmeter) Land am Schlossberg oberhalb der Burgruine Kerpen als Bauplatz für das Krankenhaus, weitere Grundstücke kamen in den Folgejahren hinzu. 1903 bildete sich eine Baukommission aus Mitgliedern des Kirchenvorstandes, ansässigen Ärzten und dem Saarbrücker Architekten Wilhelm Hector. Die Genehmigung des Bauvorhabens durch die königliche Regierung in Berlin folgte 1905.
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Die veranschlagten Baukosten beliefen sich auf 130.000 Mark. Finanziert werden sollte das Projekt durch den späteren Verkauf des Schwesternhauses in der Gennweilerstraße, Einnahmen aus dem Krankenhausbetrieb sowie freiwilligen Spenden.

Unterstützung der Gemeinde

Die Zivilgemeinde leistete ebenfalls ihren Beitrag zur Errichtung und Erhaltung des Krankenhauses. In einem Sitzungsprotokoll des Kirchenvorstandes vom 1. März 1907 wurde festgehalten, dass die jährlichen Polizeistrafen dem Krankenhaus zufließen sollten. Im Gegenzug übernahm die Pfarrgemeinde die Verpflichtung, Kranke und Waisen der Zivilgemeinde zu reduzierten Pflegekosten und unabhängig von ihrer Konfession aufzunehmen.

Zudem wurde über eine Lotterie nachgedacht, um Mittel für ein Isolierhaus sowie eine Kinderverwahr- und Nähschule zu generieren. Ob der Vorschlag genehmigt wurde, ist nicht dokumentiert – ein Schreiben des damaligen Landrats von Halfern an den Illinger Bürgermeister lässt jedoch erkennen, dass Bedenken bestanden.

Bau und Finanzierung

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Die Gesamtkosten für den Bau des Krankenhauses inklusive Ausstattung, Grundstückserwerb und weiterer Einrichtungen beliefen sich auf etwa 100.500 Mark. Dem standen Einnahmen aus freiwilligen Beiträgen und Anleihen in Höhe von 100.633 Mark gegenüber. Zur Tilgung der aufgenommenen Kredite waren jährliche Zinszahlungen von 2.275 Mark erforderlich.

Unter Leitung von Pfarrer und Dechant Karl Hansen erfolgte am 22. Oktober 1911 die feierliche Grundsteinlegung des Krankenhauses.

Um die laufenden Kosten zu decken, beschloss der Kirchenvorstand, bei unzureichenden Einnahmen eine Umlage von den Gemeindemitgliedern zu erheben. Zudem waren die Gemeindemitglieder angehalten, ehrenamtliche Arbeiten wie Fuhrdienste zu übernehmen und durch Sammlungen Lebensmittel und Geld bereitzustellen.

Entwicklung des Krankenhauses

Am 15. März 1913, einem Palmsonntag, wurde das Krankenhaus feierlich eingeweiht. Entworfen wurde es von Architekt Wilhelm Hector, der bereits Mitglied der Baukommission war, und ausgeführt durch die Illinger Baufirma „Spada“.

Die ursprünglichen Pläne für ein separates Isolier- und Seuchenhaus konnten aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden. Stattdessen erwarb die Kirchengemeinde eine gebrauchte Baracke unterhalb des Krankenhauses, die sogenannte „Döckersche Baracke“.

Im Jahr 1913 kamen die Schwestern vom Heiligen Geist nach Illingen und übernahmen die Pflege im Krankenhaus, das weiterhin unter der Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde blieb. Erst 1965 ging die Trägerschaft auf die Schwestern über.

Während der Jahre 1914/15, wurden im Krankenhaus 40 Betten zur Versorgung von Kriegsverletzten bereitgestellt – ebenso im noch bestehenden Schwesternhaus in der Gennweilerstraße.

Herausforderungen und Erweiterungen

Nach dem Ersten Weltkrieg gerieten die Ordensschwestern finanziell in Bedrängnis.

Der aufgenommene Kredit wurde in der Folge auch durch den Verkauf des Schwesternhauses in der Gennweilerstraße (1921, Käufer Lehrer Blatt) getilgt.

Aus kirchlichen Aufzeichnungen und Erzählungen ist bekannt, dass in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg finanzielle Probleme auf die Schwestern, die die Pflege im Krankenhaus leisteten, zukamen.

So wurde z. B. im Herbst eine „Kartoffelkollekte“ zur Sicherung der Ernährung der Schwestern und der Patienten durchgeführt. Dies bedeutete, dass Ordensschwestern über die Dörfer zogen und dort um Kartoffeln und sonstige Lebensmittel baten.

Aus dem Ortsteil Gennweiler ist bekannt, dass die „Bettelschwester“ Ägidia bei den Bergmannsbauern um Nahrungsspenden, sprich Kartoffeln, Wintergemüse, Sauerkraut, saure Bohnen, Dörrobst etc. vorsprach.

Viele Bergleute stifteten auch einen Teil ihrer Deputat-Kohle an das Krankenhaus als Winterbrand.

Um Nahrungsnot zu lindern oder Aufenthaltskosten im Krankenhaus zu senken, brachten Familien ihren Angehörigen zu unterschiedlichen Zeiten, täglich oder nur an Sonntagen, Essen ins Krankenhaus.

Zudem bewirtschafteten die Schwestern zu ihrer und der Patientenversorgung in Krankenhausnähe einen großen Obst- und Gemüsegarten und betrieben Kleintierhaltung.

Nach dem 1. Weltkrieg arbeiteten 16 Ordensschwestern im Krankenhaus. Die Zahl der Betten betrug 45.

Die in die Jahre gekommene, schon gebraucht erworbene, Döckersche-Baracke, entsprach 1929 nicht mehr den gesundheitlichen Bedürfnissen.

Die Ordensschwestern wohnten seit dem Verkauf des Schwesternhauses in der Gennweilerstraße in ihren Klausurräumen im Krankenhaus.

Um deren Wohnsituation zu verbessern und ein zeitgemäßes Isolier- und Seuchenhaus zur Verfügung zu haben, wurde im Jahre 1929 von der Kirchengemeinde das Elisabeth-Haus errichtet.

Dieses Gebäude enthielt eine eigene Isolierstation mit 8 Betten, eine moderne Wäscherei, ein Solbad mit Liegehalle und Wohnräume für die Ordensschwestern.

Diese neue Isolierstation leistete anlässlich einer Diphterie- und Scharlach-Epidemie in den Jahren 1933/34 gute Dienste.

Bedeutung für die Gemeinde

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Bis 1922 blieb die Krankenhausbelegung zeitweise gering, danach stiegen die Patientenzahlen jedoch deutlich an. 1928 wurde der Arzt Dr. Förstige zum Leiter des Krankenhauses ernannt, unterstützt von zwei nebenamtlichen Kollegen. Wer es sich leisten konnte, konnte zwischen niedergelassenen Ärzten frei wählen.

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Das Krankenhaus entwickelte sich über die Jahre zu einer wichtigen Institution für die Bevölkerung und war trotz finanzieller Hürden eine wertvolle Einrichtung für die Gesundheitsversorgung in Illingen.

Gefahr der Schließung

Anlass

Heute wie damals war die Krankenhauslandschaft ständig im Wandel. Das erste Krankenhaus wurde als Akutkrankenhaus gegründet. Doch schon bald zeigte sich, dass eine Umstrukturierung notwendig war. Es bestand sogar die Gefahr, dass für die Illinger Klinik kein Platz mehr in dieser Krankenhauslandschaft vorhanden sein würde.

Die nachfolgende Presseübersicht zeigt, dass die Bürger von Illingen ihr Krankenhaus erhalten wollten und dafür auch auf die Straße gingen.

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Trotz aller Proteste und Interventionen war eine Schließung des Akutkrankenhauses, wie nachfolgende Presseübersicht zeigt, nicht aufzuhalten.
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Einzelne Phasen des Krankenhauses

  • Akutkrankenhaus
  • Gefahr der Schließung, Kompromiss: Akutabteilung mit Reha-Abteilung
  • Ende der Akutabteilung
  • Reha-Einrichtung
  • Endgültige Schließung der Einrichtung in Illingen
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